Der Rote Faden
Die Herausforderungen der WELTGESTALTUNG betreffen nicht nur die großen gesellschaftlichen Fragen – wie Gerechtigkeit oder Individualismus. Auch unser Privatleben will gestaltet werden, und wird es auch – in der Regel ganz intuitiv.
Aber natürlich stehen die Prozesse rund um die persönlichsten Beziehungen nicht außerhalb der WELTERKLÄRUNG: Anziehung, Begehren, Kommunikation und Sexualverhalten werden biologisch, psychologisch und kulturwissenschaftlich untersucht; ihre Veränderung ist Gegenstand von Beratung und Therapie.
Für die meisten Menschen gehören Paar- bzw. Liebesbeziehungen zu den bedeutsamsten und sinnhaftesten Aspekten ihres persönlichen Lebensbereichs. Manche von uns überwinden in bestimmten Momenten einer intensiven Liebe sogar die üblichen ICH-Grenzen in Richtung Spiritualität oder Transzendenz. In diesem Sinne kann eine Liebesbeziehung auch als eine Spielart des WELTZUGANGS betrachtet werden.
Es gibt also jede Menge Gründe, die Zusammenhänge zwischen ERKLÄREN und GESTALTEN auch für diese Thematik zu betrachten.
Abweichend von dem hier gewohnten Darstellungs-Stil erlaube ich mir hier eine Besonderheit: Da ich als Co-Autor an einer dreibändigen Ratgeber-Reihe über Liebesbeziehungen beteiligt war, werde ich mich an dieser Stelle auf die eigenen Ausführungen konzentrieren.
Damit stellt dieses Kapitel in einem kleinen Ausschnitt auch ein Beispiel für den Grundgedanken des gesamten Projekts dar: Die Berücksichtigung von verfügbaren allgemeinen Erkenntnissen – erweitert durch eine Analyse der persönlichen Ausgangsbedingungen – kann Grundlage für die zielgerichtete Einflussnahme in eine gewünschte Richtung sein.
Kurz gesagt: ERKLÄRUNG kann zu GESTALTUNG werden! Beziehungen zu verstehen ist letztlich auch ein Aspekt von WELTVERSTEHEN! So wie Beziehungsgestaltung ein kleiner Ausschnitt von WELTGESTALTUNG ist.
Tipp: Besonders interessant ist die Rückmeldung über Ihre eigene Haltung zu diesem Thema, wenn Sie den Test vor dem Lesen durchführen.
In einer stark auf Individualismus ausgerichteten Gesellschaft eine intensive und dauerhafte Liebesbeziehung zu führen, ist eine besondere Herausforderung: Als Konsumenten, Social-Media-User, Karriere-Gestalter und Gesundheits-Optimierer sind wir es gewohnt, unseren Fokus auf uns selbst, das eigene Befinden und die eigenen Ziele zu richten.
In unserer durchorganisisierten und durchkommerzialisierten Welt stellt sich für viele inzwischen die Frage, ob das „Einzahlen“ in eine Beziehung im Vergleich mit anderen Investments auch ausreichende Redite abwirft bzw. nicht zu ungewollten Risiken führt.
Wo bleibt meine Identität?
Eine Sorge der modernen Liebenden berührt den möglichen Verlust der sorgsam ausgestalteten eigenen Identität, deren Konturen verschwimmen oder gar in einem Paar-Mischmasch untergehen könnten.
Es erschien daher lohnend, sich mit dem Schicksal der spezifischen Persönlichkeitsanteile in einer Liebesbeziehung näher zu befassen: Wird man als der- bzw. diejenige gesehen, als die man sich fühlt? Wie lange kann (oder will) man diese Einzigartigkeit gegenüber den Kräften des WIR-Gefühls bewahren? Wie viel Resonanz erfährt man auf die bedeutsamsten Bestanteile seiner Persönlichkeit? Kann man – im Falle eines Defizitgefühls – darauf zielgerichtet Einfluss nehmen?
Solchen Fragen könnte man sich theoretisch, über Literaturrecherche oder in empirischen Untersuchungen nähern. Im Rahmen eines Ratgebers bot sich eher der persönliche Weg der Selbsterforschung an. So kann auf der Basis einer Identitäts-Erkundung untersucht werden, welchen Raum die eigene Persönlichkeit in der aktuellen Beziehung einnimmt und wo Ansatzpunkte liegen könnten, für mehr Resonanzerfahrungen durch den Partner zu sorgen.
Dahinter steht der Gedanke, dass die Chancen auf eine erfüllende Beziehungsgestaltung sinken, wenn man sich dort dauerhaft nur mit mit kleinen Anteilen seines Seins gesehen und gewollt fühlt.
Wie füllt man seinen Beziehungs-Tank?
Natürlich macht sich die erlebte Qualität einer Paar-Beziehung nicht nur an der eigenen Identität fest. Betrachtet man den Füllstand seines „Beziehungs-Tanks“ als Symbol für die erlebte Zufriedenheit, kann man nach ganz unterschiedlichen Quellen Ausschau halten, aus denen Glücks-Substrat zufließen kann.
Auch in dieser Frage wurde der Ansatz einer persönlichen Bestandsaufnahme gewählt, die dann später auch als Grundlage für neue Gestaltungsoptionen genutzt werden kann. Die Ziele werden dabei nicht durch eine unreflektierte und überfordernde Optimierungs-Logik bestimmt, sondern berücksichtigen die Verschiedenheit von Personen und Lebensumständen. Es sind – je nach Beziehungsphase – ja ganz unterschiedliche Qualitäten, die eine Beziehung nicht nur lebenswert, sondern auch sinnstiftend machen können.
Mit den passenden Strategien ist es jedoch durchaus möglich, Einfluss auf den Zufluss an Qualitätssubstrat zu nehmen. Auch hier lohnt es sich also, das Wissen rund um das menschliche Denken, Fühlen und Handeln für die Beziehungs-GESTALTUNG einzusetzen.
Wichtig ist dabei auch die Berücksichtigung der eigenen Ressourcen und Möglichkeiten: Jede/r von uns bringt sein eigens „Beziehungs-ICH“ ein – gewachsen und geformt durch die eigene Lebensgeschichte. Es bestimmt unsere Fähigkeit mit, auf unser kostbares Beziehungs-Substrat achtzugeben, den Füllstand in unserem Tank also möglichst hoch zu halten.
Zum Glück ist man dem Ergebnis seiner Biografie nicht restlos ausgeliefert: Auch eine Beziehungs-ICH kann noch wachsen und reifen; Anregungen dazu werden geliefert.
Ist Beziehungsglück immer exklusiv?
Der Gedanke, das sich die Grenzen um das eine dauerhafte Beziehungsglück lockern könnten, scheint nicht zu den Idealvorstellungen von Partnerschaft zu passen. Das gilt vor allem dann, wenn die Zweisamkeit in einer symbiotischen Verdichtung sogar als Zugang zu transzendenten Empfindungen – im Sinne einer Überwindung der ICH-Schranken – betrachtet wird.
Aber nicht jede Beziehung wird überhaupt – und erst recht nicht dauerhaft – solche extremen Intensitäten erreichen. Muss sie auch nicht.
Viele Beziehungen bewähren sich im Alltag, als Rahmen für die Familie, in der Lebensbegleitung. Viele (vermutlich die meisten) Menschen vermissen nichts, wenn sie ihre Beziehung als eine ruhige und solide Basis für ihre beruflichen und sozialen Anforderungen erleben.
Es gibt aber auch Personen, für die anregende Begegnungen mit Menschen des bevorzugten Geschlechts sich wie ein unverzichtbares Lebenselixier anfühlt. Sie leiden darunter, wenn es in ihrer Beziehung dauerhaft an der gewünschten Intensität fehlt bzw. sich außerhalb kein Ort für Bestätigung und Flirt findet.
Können – mehr oder weniger harmlose – Nebenbeziehungen dann eine Option sein? Vielleicht sogar die eine Lösung, die das Nebeneinander von Beständigkeit und Arousal (dauerhaft) lebbar macht?
Es erschien einen Versuch wert zu sein, auch in diesem sensiblen und emotionsgeladenen Bereich systematisch die persönliche Ausgangslage zu erkunden und Anregungen für zukünftige Gestaltungs-Schritte darauf aufzubauen. Dass Risiken und Nebenwirkungen dabei im Blick bleiben müssen, versteht sich bei dieser Thematik von selbst.
Resümee
Selbstverständlich gibt es zu dem Thema „Beziehungsgestaltung“ unendlich viel mehr zu sagen; Literatur und Social-Media bieten schier grenzenlose Stofffülle.
Wie hier – am Beispiel eigenen Publikationen – gezeigt werden sollte:
So wie bei den anderen Gestaltungsbereichen ist es schlichtweg sinnvoll, von vorhandenen Erkenntnissen und Wissensbeständen Gebrauch zu machen. Sich selbst und die eigenen Gefühle zu erkennen, Impulse kontrollieren zu üben und kompetent zuhören bzw. kommunizieren zu lernen, vergrößert die Chancen auf Beziehungsglück.
Warum darauf verzichten?
Zum Weiterdenken
Schreckt Sie der Gedanke ab, dass auch Romantik und Beziehungsglück als etwas behandelt wird, das man systematisch analysieren und gezielt verändern kann?
Haben Sie selbst schonmal in einer Beziehung um Ihre eigene Identität kämpfen müssen? Wer oder was hat sie dabei unterstützt?
Was sind die entscheidenden Glücksquellen für Ihre aktuelle Beziehung? Hat sich das in den letzten Jahren (Jahrzehnten) vereändert?
Wie nahe waren Ihnen schonmal das diffuse Bedürfnis oder der konkrete Wunsch, eine Nebenbeziehung einzugehen? Hatten Sie moralische Konflikte oder Skrupel?
Standen sie schonmal auf der anderen Seite – als gefühltes Opfer?
Vorläufer-Themen
Was macht den Wesenskern des Menschen aus? Was macht ihn zum Menschen? Welche Stellung hat er im Universum?
Zu welchen Schlussfolgerungen hinsichtlich der modernen wissenschaftlichen Erklärung der Welt kann man kommen?
Wie sind die unterschiedlichen WELTZUGÄNGE hinsichtlich der anstehenden Gestaltungsfragen zu beurteilen?
Parallel-Themen
Welche Inhalte sollten der kommenden Generation vermittelt werden, damit sie den enormen Herausforderungen begegnen kann?
Nachfolge-Themen

Resümee
Wie lassen sich die Schlussfolgerungen der WELTERKLÄRUNG für die WELTGESTALTUNG zusammenfassen?
Relevante Buchbesprechungen
Relevante YouTube-Videos
Buchreihe „BeziehungsReich“
Gesamtvorstellung der Ratgeber-Reihe „BeziehungsReich“ von Sandra PULS und Frank WECKER.
Buchreihe „BeziehungsReich“ Bd. 1
Vorstellung der Ratgeber-Reihe „BeziehungsReich“ von Sandra PULS und Frank WECKER.
Band 2: Beziehungsglück tanken
Buchreihe „BeziehungsReich“ Bd. 2
Vorstellung der Ratgeber-Reihe „BeziehungsReich“ von Sandra PULS und Frank WECKER.
Band 2: Beziehungsglück tanken
Buchreihe „Beziehungsreich“ Bd. 3
Vorstellung der Ratgeber-Reihe „BeziehungsReich“ von Sandra PULS und Frank WECKER.
Band 3: Beziehungsgrenzen neu denken
GLOSSAR
Eine kurze Erklärung der wichtigsten Begriffe
- WELTGESTALTUNG: Bezieht sich auf die bewusste Einflussnahme auf die Welt, sowohl auf große gesellschaftliche Fragen als auch auf das persönliche Leben.
- WELTERKLÄRUNG: Umfasst das Verständnis von Phänomenen durch wissenschaftliche, psychologische oder kulturelle Perspektiven.
- WELTZUGANG: Die Art und Weise, wie Menschen die Welt erleben und verstehen; Liebesbeziehungen können hierzu eine Form des Zugangs darstellen.
- ICH-Grenzen: Die persönlichen Grenzen des Individuums, die in Momenten intensiver Liebe überwunden werden können.
- Identität: Das Selbstverständnis und die Einzigartigkeit einer Person.
- WIR-Gefühl: Das Gefühl der Verbundenheit und Zusammengehörigkeit innerhalb einer Beziehung.
- Resonanz: Das Gefühl, in einer Beziehung für wichtige Teile der eigenen Persönlichkeit gesehen und bestätigt zu werden.
- Beziehungs-Tank: Ein symbolisches Konzept für die erlebte Zufriedenheit und den Füllstand an Glücks-Substrat in einer Beziehung.
- Beziehungs-ICH: Die Persönlichkeit und Fähigkeiten, die eine Person in eine Beziehung einbringt, geformt durch die eigene Lebensgeschichte.
- Arousal: Erregung oder Anregung, insbesondere im sexuellen oder emotionalen Sinne.
- BeziehungsReich: Name der dreibändigen Ratgeber-Reihe, auf die sich der Autor bezieht.
Alles erfasst?
Vielleicht haben Sie Lust zu überprüfen, ob Ihnen die wichtigsten Gedankengänge des Textes noch präsent sind. Zur Kontrolle können Sie die Ihre Antworten auf die folgenden Fragen überprüfen.
- Welche großen gesellschaftlichen Fragen nennt der Text als Beispiele für die Herausforderungen der Weltgestaltung?
- Warum werden Anziehung, Begehren, Kommunikation und Sexualverhalten untersucht?
- In welchem Sinne kann eine Liebesbeziehung als eine Spielart des Weltzugangs betrachtet werden?
- Was ist die Besonderheit des Darstellungsstils in diesem Kapitel im Vergleich zu anderen Teilen des Projekts?
- Welche Sorge haben moderne Liebende in einer stark auf Individualismus ausgerichteten Gesellschaft bezüglich ihrer Identität?
- Was symbolisiert der „Beziehungs-Tank“ im Text?
- Warum wird in der Betrachtung des „Beziehungs-Tanks“ der Ansatz einer persönlichen Bestandsaufnahme gewählt?
- Was bedeutet es laut Text, wenn man sich in einer Beziehung dauerhaft nur mit kleinen Anteilen seines Seins gesehen und gewollt fühlt?
- Für welche Art von Menschen fühlen sich anregende Begegnungen mit Menschen des bevorzugten Geschlechts wie ein unverzichtbares Lebenselixier an?
- Was wird als sinnvoll betrachtet, um die Chancen auf Beziehungsglück zu vergrößern?
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