Tipp: Besonders interessant ist die Rückmeldung über Ihre eigene Haltung zu diesem Thema, wenn Sie den Test vor dem Lesen durchführen.
Der Ist-Zustand
Ohne Zweifel hat die KI-Revolution längst begonnen: Die Text-Generatoren sind in Büros und Schulen angekommen, die Code-Generatoren in den Entwicklungsteams der Digital-Konzerne und die Bild- bzw. Video-Generatoren in den Kreativabteilungen der Medien- und Marketingindustrie. Auf einem Extra-Gleis läuft die Entwicklung der KI-gestützten Robotik ab: in einer ähnlichen Dynamik, aber deutlich weniger im Fokus der Öffentlichkeit.
Eines haben alle Aspekte gemeinsam: Man kommt als Beobachter kaum noch hinterher! In den letzten 50 Jahren hat man sich als Konsument nach und nach darauf einstellen können (müssen), dass Innovations- bzw. Produktionszyklen sich immer weiter verkürzt haben, bis sie irgendwann Anfang dieses Jahrhunderts bei einem – als ziemlich hektisch empfundenen – Jahresrhythmus angelangt waren (zumindest bei vielen technischen Produkten). Wenn man jetzt (Februar 2025) mal nach einer Woche Pause in die einschlägigen Accounts schaut, wird man förmlich erschlagen von den in diesem Zeitraum angekündigten oder bereits freigeschalteten Innovationen und Updates der KI-Konzerne.
Wir befinden uns gleichzeitig mitten drin – und doch noch ganz am Anfang einer großen Umwälzung, die neben der Klimakrise und den internationalen Konflikten die nächsten Jahrzehnte bestimmen wird.
Wie geht es weiter?
Wir werden in den nächsten Jahren genauso selbstverständlich mit unseren KI-Assistenten umgehen, wie das in den letzten Jahren mit der Google-Suche oder den WhatsApp-Nachrichten der Fall war. Alles wird sich sprachlich steuern lassen, immer mehr Teilprozesse werden die KI-Helferlein autonom erledigen. Routine-Büroarbeiten wird es bald einfach nicht mehr geben. Keiner wird mehr Websites oder Software programmieren, keine medizinische Diagnose wird mehr ohne KI-Referenz erstellt werden.
Roboter werden sehr schnell immer mehr Fertigungs-, Logistik- und Transportaufgaben übernehmen und allmählich auch bei Reinigung, Pflege und Service Fuß fassen.
Immer vorne mit dabei waren die Anwendungsfelder Erotik, Gamer und Waffentechnologie; das wird sich vermutlich nicht verändern.
Wann überholt uns die KI?
Die Fachleute sind sich weitgehend einige darin, dass die unser Vorsprung im Bereich der allgemeinen Intelligenz (also einer flexiblen und selbst generierten bzw. auf beliebige Aufgaben übertragbaren Form von Problemlösefähigkeit) irgendwann in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts verlorengehen wird. Erwartet wird, dass dieser Prozess sich zunächst über einen längeren Zeitraum erstrecken wird (je nach Teilgebiet), dass dann aber eine Art Intelligenz-Explosion möglich sein könnte: Sobald keine menschlichen Eingriffe mehr notwendig sind, werden sich die KI-Systeme nur noch mit sich und an sich selber messen – in einem geradezu unendlichem exponentiellem Lern- und Entwicklungstempo.
KI-Machtübernahme: Fluch oder Segen?
Der interessanteste Aspekt des KI-Wende ist die Bewertung: Befürchtet man diesen Moment oder sehnt man ihn herbei?
Ohne Zweifel beinhaltet eine so mächtige Technologie ein erhebliches Missbrauchspotential. In der Hand von monopolistischen Konzernen, imperialistischen Machthabern oder Terroristen könnten die nahezu unbegrenzten Möglichkeiten der KI zu weitreichenden Katastrophen führen. Allerdings werden auf der anderen Seite natürlich auch die Sicherungs- und Schutzsysteme KI-Fähigkeiten einsetzen.
Wie auch im Kapitel Transhumanismus diskutiert, spricht angesichts des offensichtlichen Versagens der Menschheit gegenüber den existentiellen Herausforderungen sogar einiges dafür, die Lenkung der Welt aus den menschlichen Händen nehmen. Entweder müsste ein neue Menschtyp entsprechend (biologisch oder digital) upgedatet werden oder gleich durch eine wahrhaft intelligente KI ersetzt werden.
Natürlich kann man beliebig viele utopische oder dystopische Szenarien durchspielen. Oft wird dabei darauf hingewiesen, dass ja die jeweiligen Vorgaben der menschlichen Programmierer darüber bestimmen würden, welche Ziele die KI dann mit unerbittlicher Konsequenz verfolgen würden.
Aber könnte es nicht sein, dass irgendwann quantitative Intelligenz in qualitative „Weisheit“ umschlägt? Dass sich extrem intelligente Systeme aus „bösen“ Vorgaben befreien würden, weil sie durchdringen, dass ihre durch Egoismus und Gier beschränkten Schöpfer sie missbrauchen wollten?
Um es auf die Spitze zu treiben: Könnte gesteigerte Intelligenz vielleicht irgendwann zu einer sehr grundlegende Form von Moral führen – weil eine ressourcenschonende und leidvermeidende Umgehensweise mit der Welt und den Menschen einfach die klügste und logischste aller denkbaren Varianten wäre?
Anders formuliert könnte die Frage heißen: Wieviel externe moralische Werte muss man eigentlich von außen vorgeben – und wieviel steckt schon in den Zusammenhängen der Welt?
Genau hier setzt ja auch dieses Projekt „Vom Erklären zum Gestalten“ an: Viele Regeln für gesellschaftliche Fragen könnten aus dem vorhandenen Wissen abgeleitet werden. Wenn man das hochskalieren würde, könnte dann nicht auch unser ganzer Planet durch Erkennen und Wissen gemanagt werden?
Wer – wenn nicht eine superintelligente KI – könnte das erkennen?
Zum Weiterdenken
Wenn es morgen eine KI-Weltregierung geben könnte, die ganz sicher dem Wohl der gesamten Menschheit verpflichtet wäre und die Menschenrechte schützen könnte – würden Sie auf den Knopf drücken? Warum (nicht)?
Machen Ihnen die – sattsam bekannten – menschlichen Schwächen mehr Angst oder die – unbekannten – Risiken der KI?
Würden Sie sich auch von einem Roboter pflegen lassen? Spielt bei Ihren Fantasien bei Ihr Älterwerden die KI schon eine Rolle? Auf welchen Gebieten?
Vorläufer-Themen
Wie lassen sich die in dieser Abhandlung abgeleiteten Prinzipien der WELTGESTALTUNG zusammenfassend beschreiben?
Was sind die globalen Trends, die sich für die nächsten 10 – 20 Jahre abzeichnen?
Parallel-Themen
Sollen wir unsere technologischen Fähigkeiten nutzen, um einen neuen, optimierten Menschen zu erschaffen?
Nachfolge-Themen
Kann man die Kernbotschaft dieses Web-Projektes wirklich in ein paar kurzen Abschnitten zusammenfassen?
Auch das soll versucht werden.
Relevante Buchbesprechungen
Relevante YouTube-Videos
Erklär-Video zur Geschichte der KI
Sehr informative und seriöse Einführung in die Welt der Künstlichen Intelligenz – von den Anfängen bis zur Zukunft.
Es gibt allerdings Werbung zwischendurch.
Ray KURZWEIL (engl.)
In einem TED-Talk von 2024 gibt der legendäre Digital-Prophet einen beeindruckende Einblick in Geschichte und Zukunft der KI und in einige Aspekte des Transhumanismus.
GLOSSAR
Eine kurze Erklärung der wichtigsten Begriffe
- KI-Revolution: Die aktuelle Phase schneller und tiefgreifender Entwicklungen und Anwendungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz.
- Text-Generatoren: KI-Systeme, die in der Lage sind, kohärente und sinnvolle Texte zu erstellen.
- Code-Generatoren: KI-Systeme, die in der Lage sind, Software-Code zu schreiben.
- Bild- bzw. Video-Generatoren: KI-Systeme, die in der Lage sind, Bilder oder Videos zu erstellen.
- KI-gestützte Robotik: Die Entwicklung und Anwendung von Robotern, die durch Künstliche Intelligenz gesteuert werden oder KI-Fähigkeiten nutzen.
- Innovations- bzw. Produktionszyklen: Die Zeitspanne, die für die Entwicklung, Produktion und Markteinführung neuer Produkte oder Technologien benötigt wird.
- KI-Assistenten: KI-Systeme, die Aufgaben für den Nutzer erledigen oder ihn dabei unterstützen, oft durch sprachliche Interaktion gesteuert.
- Allgemeine Intelligenz: Eine flexible und selbst generierte Form von Problemlösefähigkeit, die auf beliebige Aufgaben übertragbar ist (im Gegensatz zu spezialisierter KI).
- Intelligenz-Explosion: Ein hypothetisches Szenario, in dem sich KI-Systeme nach dem Erreichen eines bestimmten Niveaus selbst verbessern und in einem exponentiellen Tempo an Intelligenz gewinnen.
- Missbrauchspotential: Die Möglichkeit, dass eine Technologie für schädliche oder illegale Zwecke eingesetzt wird.
- Transhumanismus: Eine philosophische und intellektuelle Bewegung, die sich mit der Verbesserung der menschlichen Fähigkeiten durch Technologie beschäftigt.
- Utopische Szenarien: Beschreibungen idealer oder perfekter zukünftiger Zustände.
- Dystopische Szenarien: Beschreibungen negativer oder erschreckender zukünftiger Zustände.
- Quantitative Intelligenz: Intelligenz, die sich auf die Menge oder das Ausmaß der Informationsverarbeitung und Problemlösung bezieht.
- Qualitative „Weisheit“: Eine Form der Intelligenz, die über reine Datenverarbeitung hinausgeht und moralische, ethische oder tiefere Einsichten in die Zusammenhänge der Welt beinhaltet.
- WELTGESTALTUNG: Ein Begriff aus dem Kontext des Gesamtprojekts, der sich auf die Gestaltung der Welt basierend auf abgeleiteten Prinzipien bezieht.
Alles erfasst?
Vielleicht haben Sie Lust zu überprüfen, ob Ihnen die wichtigsten Gedankengänge des Textes noch präsent sind. Zur Kontrolle können Sie die Ihre Antworten auf die folgenden Fragen überprüfen.
- Warum wird im Text die Einordnung von KI als „Zukunft“ für das Jahr 2025 in Frage gestellt?
- Welche Anwendungsbereiche der KI werden im Text als bereits etabliert beschrieben?
- Wie hat sich laut Text die Geschwindigkeit der Innovationszyklen im Vergleich zu den letzten 50 Jahren verändert?
- Welche alltäglichen Technologien werden im Text als Vergleich für die zukünftige Selbstverständlichkeit von KI-Assistenten genannt?
- Welche Art von Routinearbeiten wird laut Text voraussichtlich bald durch KI ersetzt?
- In welchem Zeitraum erwarten Fachleute laut Text den Verlust des menschlichen Vorsprungs im Bereich der allgemeinen Intelligenz?
- Was könnte laut Text eine „Intelligenz-Explosion“ bei KI-Systemen auslösen?
- Welche potenziellen Missbrauchsgefahren der KI werden im Text genannt?
- Welche alternative Perspektive zur Steuerung der Welt neben der menschlichen wird im Text in Betracht gezogen?
- Was versteht der Text unter der Frage, ob quantitative Intelligenz in qualitative „Weisheit“ umschlagen könnte?
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