Resümee WELTGESTALTUNG
Mit dem Versuch, kontrovers diskutierte gesellschaftliche Fragen mit Rückgriff auf naturwissenschaftliche Erkenntnisse zu beantworten, habe ich mich ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt. Vermutlich konnten Sie nicht in allen Schlussfolgerungen mitgehen.
Die Betrachtungen über die Auswirkungen eines modernen Welt- und Menschenbildes auf die Gestaltung unseres Zusammenlebens sollten und konnten nicht den Charakter einer „Wahrheit“ haben; es waren z.T. eher Anregungen, Denkanstöße, manchmal auch kleine Provokationen.
Was – zusammenfassend – übrig bleibt, ist die Schlussfolgerung, dass bestimmte politische bzw. ideologische Haltungen so eindeutig im Widerspruch zu den Erkenntnissen der Humanwissenschaften stehen, dass sie schlichtweg keine Berechtigung (mehr) haben. Die Notwendigkeit einer politischen Auseinandersetzung mit diesen Theorien müsste damit ersatzlos entfallen – so wie wir ja auch keine ernsthafte physikalische Diskussion mit Leugnern der Schwerkraft führen.
Wer seine Gerechtigkeitsvorstellungen auf einem Menschenbild aufbaut, das von einer freien und autonomen Entscheidungsmöglichkeit zwischen einem fleißig-erfolgreichen und einem disziplinlos-scheiternden Lebensweg ausgeht, sollte schlichtweg nicht (mehr) ernst genommen werden.
Diese Veränderung der politischen Kultur setzt allerdings voraus, dass die – längst verfügbaren Erkenntnisse (z.B. über die lebenslangen Auswirkungen frühkindlicher Prägungen und Erfahrungen) endlich in den Kanon des Allgemeinwissens Eingang finden.
Doch es wurde bei den Überlegungen zur WELTGESTALTUNG keinem oberflächlichen Kindheits-Determinismus gehuldigt. Die Prägung menschlicher Verhaltensoptionen endet natürlich nicht mit genetischen, epigenetischen und frühen Kindheitserfahrungen (sie sind aber nie mehr von ihnen zu lösen).
Da aber Menschen zu jedem Zeitpunkt auch auf aktuelle Bedingungen reagieren, wäre es ein sträfliches Versäumnis, keine Anreize bzw. Belohnungen für Verhaltensweisen vorzuhalten, die im Interesse der eigenen Persönlichkeitsentwicklung bzw. der Gemeinschaft liegen. Dazu gehört sogar, dass durchaus auch (so objektiv zweifelhafte) Konzepte wie Eigenverantwortung vermittelt werden, da auch solche inneren Leitbilder eine Wirkung entfalten.
Die Lösung dieser vermeintlichen Widersprüchlichkeit zwischen der ernsthaften Akzeptanz früher Prägungen und dem Belohnen bestimmter Leistungen (bzw. dem Bestrafen bestimmter Fehlleistungen) kann – in einem ersten Entwurf – folgendermaßen gefasst werden:
Gesellschaftliche (positive oder negative) Sanktionen sollten so bemessen und ausgestaltet sein, dass sie gleichzeitig sowohl die Abwertung und Bestrafung von vorgegebenen Einschränkungen und Prägungen vermeiden, Möglichkeiten des Ausgleichs, der Kompensation und des Umlernens bereitstellen auf der Basis gesicherter Grundversorgung Anreize/Belohnungen für eigenes Bemühen anbieten.
In dieser Kombination werden allen Aspekten der menschlichen Einflussfaktoren und den moralischen Standards Rechnung getragen.
Nachfolge-Thema
Kann man die Kernbotschaft dieses Web-Projektes wirklich in ein paar kurzen Abschnitten zusammenfassen?
Auch das soll versucht werden.
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