Resümee WELTERKLÄRUNG
Im Rahmen der uns verfügbaren Erkenntnismöglichkeiten gibt es keine sinnvolle Alternative zu einer Erklärung der uns umgebenden Welt, die auf wissenschaftlichen Methoden basiert. Auf diesem Weg wird auf willkürliche Annahmen verzichtet, die Regel der empirischen Überprüfbarkeit angewandt und die immerwährende Selbstkorrektur eröffnet.
Während das so entwickelte physikalische Weltbild zu all den technologischen Errungenschaften geführt hat und damit als gemeinsame Basis weitgehend unumstritten ist, besteht weiterhin eine Konkurrenz zwischen unterschiedlichen Menschenbildern. Das liegt vor allen Dingen daran, dass Erkenntnisse der Humanwissenschaften, besonders aus Psychologie und Hirnforschung, sich noch nicht gegenüber traditionellen Ideen vom „Menschsein“ und dem intuitiven Selbsterleben durchsetzen konnten.
So kommt es zu dem Umstand, dass eine empirisch längst nicht mehr haltbare Sichtweise von der Autonomie menschlicher Entscheidungen auch im 21. Jahrhundert noch die Grundlage für die Gestaltung des sozialen Miteinanders bilden kann.
Betrachtet man aber die Einflussfaktoren auf die Entwicklung von Persönlichkeiten bzw. auf den Verlauf unserer Lebenswege ohne die üblichen Denkschablonen und Tabus, muss man zwangsläufig zu neuen Schlussfolgerungen kommen. Bestimmende Leitideen wie „Autonomie“ und „Willensfreiheit“ schrumpfen von geradezu sakrosankten Selbstverständlichkeiten zu wackeligen Konzepten, deren Bedeutung weniger in der Abbildung der Realität liegen, sondern in der Wirkung auf – allerdings durchaus mächtige – Selbstbilder.
Es wurde dargestellt, dass biologische Anlagen und frühe Einflüsse die Grundlage und den Rahmen für alle folgenden (Lern-)Erfahrungen schaffen.
Dass uns die Bedeutung und dauerhafte Wirkkraft dieser Festlegungen nicht zugänglich bzw. bewusst ist, liegt in der überbordenden Kraft unser eigenen Intuition und in dem Primat der Selbstwahrnehmung: Wir können uns schlichtweg nicht vorstellen, wie sich die Welt und die eigenen psychischen Kräfte für einen anderen Menschen anfühlt, weil wir sein Gehirn und sein Bewusstsein niemals von innen erleben können. Daher sind Aussagen wie: „Er hätte doch anders entscheiden und handeln können“, ganz prinzipiell eine Anmaßung und völlig sinnfrei (der „Bewusstseinskäfig“ lässt grüßen).
So steht am Ende dieser Sicht von WELTERKLÄRUNG ein Menschenbild, das der enormen prägenden Kraft von – nicht selbst kontrollierbaren – Einflussgrößen auf unser Fühlen, Denken und Handeln Rechnung trägt. Selbst wenn man die letztendliche Frage nach einem kleinen Rest von Willensfreiheit offenlässt, müsste dieser neue wissenschaftliche Blick auf den Menschen grundsätzliche Veränderungen im gesellschaftlichen Zusammenleben nach sich ziehen.
Genau das wird in dem dritten Teil dieser Betrachtungen zur Diskussion gestellt.
Bevor wir uns allerdings der Gestaltung der großen gesellschaftlichen Fragen zuwenden, soll das Bild vom Menschen um eine Dimension erweitert und damit abgerundet werden: Im Kapitel „WELTZUGÄNGE“ geht es um Bedürfnisse, Vorstellungen und Verhaltensweisen, die mit Spiritualität, Transzendenz, Lebenssinn und Moral zu tun haben.
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